Piega Premium-Set (Test)

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Mit „Premium“ trägt die neue Lautsprecher-Linie von Piega einen sehr anspruchsvollen Namen. Und das zu Recht, wie der Test zeigt.

Aluminium als Werkstoff findet sich im Lautsprecherbau mittlerweile häufiger. Allerdings in aller Regel nur als Membran-Material und nicht, wie bei Piega aus Horgen am Zürichsee, am kompletten Gehäuse. Denn das ist teuer – erst recht, wenn man wie die Schweizer auf eigene Strangpress-Profile zurückgreift, für deren hohe Werkzeugkosten man selbst geradestehen muss. Das Metall ist zudem aufwändig und schwierig zu bearbeiten.

Technik

Trotzdem hat es sich Chefentwickler und Firmen-Mitinhaber Kurt Scheuch nicht nehmen lassen, für fast alle Serien Aluminiumgehäuse einzusetzen. Das hat neben ästhetischen auch handfeste Technik-Gründe: Aluminium ist äußerst steif und weist zudem eine hohe innere Dämpfung auf. So kann es mit weitaus geringeren Wandstärken eingesetzt werden als übliche Holzwerkstoffe und zeigt trotzdem weniger Eigenresonanzen. Den verbliebenen Schwingungen rückt der Hersteller zudem mit internen Verstrebungen sowie einer dämpfenden Beschichtung auf Bitumenbasis weiter Bereiche der Innenflächen zu Leibe.

Die Piegas sind auch in Schwarz lieferbar. Die Frontlautsprecher stehen auf vier Auslegern, an deren Enden der Kunde wahlweise Spikes (siehe oben) oder Gleitfüße anbringen kann. Beides liefert der Hersteller mit.

Schöner Nebeneffekt von Aluminium als Gehäuse-Grundstoff ist die schlanke, elegante Optik, mit der unser Test-Set aufwartet. Die knapp 10.000 Euro teure 5.1-Kombi rekrutiert sich aus Mitgliedern der kürzlich komplett neu aufgelegten Premium-Serie. Die Schweizer haben im Vergleich zum Vorgänger (Test in 12-2015) das Strangpress-profil überarbeitet und es rund 30 Prozent steifer gemacht. Zudem integrierten sie die Frontabdeckungen bündig in die Schallwand, so dass keine hervorstehenden Kanten das Auge und den Wohlklang stören.

Sowohl Chassis als auch Bassreflexöffnung des Piega-Subs strahlen nach unten.

Außer für die Verwendung von Alu sind die Piega-Entwickler bekannt als Verfechter von Bändchen-Hochtönern. Das ist bei genauer Betrachtung aber nicht ganz richtig, denn sie verheiraten bei den durchweg selbst konstruierten und hergestellten Hochtontreibern im Grunde das Bändchen-Prinzip mit dem des Magnetostaten.

Für die Frontboxen Premium 701 des neuen Premium-Sets entwickelte Piega einen komplett neuen Hochtöner. Er arbeitet nach dem gleichen Prinzip wie die bisherigen „Bändchen“, nämlich mit einer hauchdünnen Aluminium-Membran, auf die mit einer speziellen Sprühtechnik Leiterbahnen ähnlich wie bei einem Magnetostaten aufgebracht sind. So kann man die Vorteile beider Prinzipien, nämlich das geringe Gewicht des Bändchens mit den verstärkerverträglichen Impedanzen von Magnetostaten unter einen Hut bekommen.

Der neue Hochtöner von Piega (rote Linie) spielt nicht nur deutlich lauter als der alte, sondern kann auch erkennbar tiefere Frequenzen wiedergeben.

Bei dem neuen Chassis LDR 3056 vergrößerte Piega einerseits die Membran, gab ihr aber zusätzlich eine besonders widerstandsarme Aufhängung mit. Für den Antrieb sorgt ein besonders kräftiges Magnet­system, das aus der „Master“-Topserie der Schweizer stammt.

Der Wirkungsgrad des neuen Treibers hat sich dadurch deutlich erhöht. Zudem sank seine untere Grenzfrequenz beträchtlich, so dass sich seine Ankopplung per Frequenzweiche an den Mitteltöner stark vereinfacht.

Für die Standbox Premium 701 kommt sogar eine komplette Neuentwicklung zum Einsatz, die über eine größere Fläche und einen kräftigeren Antrieb verfügt. In dieser, aber auch in den Surrounds Premium 301 kommen zudem komplett neu entwickelte Tiefmittelton-Treiber mit 14 Zentimetern Durchmesser zum Einsatz, die mit diversen Maßnahmen auf noch größeren Hub bei noch geringeren Verzerrungen getrimmt wurden. Der Premium Center Small bringt ebenfalls ein Hochtonbändchen, aber zwei kleinere Tieftöner ähnlicher Technologie mit, die je 10 Zentimeter durchmessen.

Bei dem als Downfire-Konstruktion ausgeführten Subwoofer PS-1 strahlen sowohl das 22-Zentimeter-Chassis selbst als auch das Bassreflexrohr zum Boden hin ab. Für den korrekten Abstand sorgt ein Aluminium-Rahmen, der nur über vier dünne Säulen mit dem Gehäuse verbunden ist und den Sub somit optisch gleichsam schweben lässt. Als Besonderheit bringt er einen Equalizer mit, der tiefe Frequenzen dämpfen und den Sub somit an unterschiedliche Aufstellungssituationen anpassen kann.

Tonqualität Surround

Die untere Grenzfrequenz des Subwoofers ist mit 31 Hertz recht niedrig – für einen so kleinen Basstreiber eine mehr als ansehnliche Leistung. Mit seinen 99 Dezibel Maximalpegel reißt der PS-1 zwar nicht gerade Bäume aus, für satte Pegel in mittelgroßen Heimkinos reicht es aber allemal.

Das Rundstrahlverhalten des Premium Center Small zeigt einen breitbandingen Einbruch im Mitteltonbereich schon bei geringen Winkeln. Das Verhalten ist nicht symmetrisch, da nur einer der beiden Tieftöner bis zur Trennfrequenz des Hoch-töners arbeitet. Der andere wird schon früher von der Frequenzweiche abgekoppelt.

Die Frequenzgänge weisen allesamt um 3,5 Kilohertz kleinere Unregelmäßigkeiten auf, die auf die Trennstelle zwischen Mittel- und Hochtöner hinweisen, sich im Klang aber kaum bemerkbar machen, ganz im Gegenteil.

Die Schweizer Kombi liefert ein homogenes, geradezu warmes Klangbild, das zunächst eher gemütlich daherkommt. Damit ist es aber schnell vorbei, wenn Dynamik und Temperament vom wiedergegebenen Material wirklich gefragt sind: „Listen Up!“ von Omar Hakim beispielsweise kommt mit Schmackes und richtig schön impulsiv. Wenn man es mit dem Pegel nicht zu sehr übertreibt, bleibt auch der Bass überraschend voluminös und dabei ausnehmend präzise. Auch bei ausgewachsenem Kino-Ton wie bei der Abschleppwagen-Verfolgungsfahrt aus „Terminator – die Erlösung“ kann das Schweizer Set überzeugen, vor allem die räumliche Wiedergabe ist auch hier präzise und gleichzeitig sehr luftig – eine Kombination, die nur weniger Lautsprecher-Kombis so vermitteln. Bei den massiven Bassimpulsen vermag der Subwoofer durchaus zu gefallen, hier leisten großvolumigere Kollegen allerdings noch mehr.

Tonqualität Stereo

Die Premium 701, die jeweils zwei 14-Zentimeter-Tieftöner beherbergen, können im Stereobetrieb problemlos auf das Tieftonmodul verzichten. Selbst bei hohen Lautstärken liefern sie eine erstaunlich knackige, tiefreichende Wiedergabe. Stimmen wie die von Garth Brooks auf seiner CD „Man Against Machine“ bringen sie äußerst facetten- und detailreich zu Gehör. Immer wieder faszinierend ist die selbstverständliche, dreidimensionale räumliche Darstellung.                 

                                  

Der Testbericht Piega Premium-Set (Gesamtwertung: 89, Preis/UVP: 9800 Euro) ist in audiovision Ausgabe 5-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

89 sehr gut

Piegas Überarbeitung der Premium-Baureihe hat sich definitiv gelohnt. Zur überaus räumlichen Wiedergabe und der vorbildlichen Verfärbungsarmut ist ordentlich Temperament hinzugekommen.
Michael Nothnagel

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