Denon AVR-X2500H (Test)

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Denon: Die Fernbedienung ist klar strukturiert, sinnvoll untergliedert und liegt gut in der Hand. Eine Beleuchtung wäre wünschenswert.

Denon war fleißig und überarbeitete im vergangenen Jahr emsig ihre AV-Receiver-Sparte. Den Anfang machte im Februar das Flaggschiff AVC-X8500H (Test in 3-2018), an das sich das Design des brandneuen AVR-X2500H anlehnt. Im Zuge dieses Facelifts fiel die Einfassung um Display und Frontpanele weg und die Bedientasten schließen beinahe unsichtbar an das Display an. Insgesamt wirkt die Front – die nach wie vor aus Plastik besteht – ruhiger und eleganter als zuvor.

Auf der Rückseite des AVR-X2500H erspähten wir den hinzugekommenen Phono-Eingang zum Anschluss eines Plattenspielers, die ja wieder stark in Mode sind. Sehr schön! Hand angelegt haben die Japaner auch an das Video-Board, das nun die Menü-Überlagerung bei Dolby Vision- und HLG-Signalen ermöglicht. Der verbesserte Eco-Modus „Auto“ soll starker Hitzeentwicklung und damit heißen Gehäusedeckeln entgegenwirken. Zudem wurden für noch besseren Sound die Endstufen, DACs und DSPs optimiert. Via Firmware-Update soll künftig auch das Webinterface für die Einstellung bzw. Bedienung des Geräts über einen klassischen Internet-Browser wieder möglich sein. Die Funktion fiel bei der Einführung von HEOS unter den Tisch. Auch die Integration von Apples AirPlay 2 per nachgereichter Firmware ist angedacht.

Bereits ab Werk hat der Denon den neuen Ton-Decoder DTS Virtual:X an Bord, dessen Nutzung aber nicht im Zusammenspiel mit der Einmess-Automatik Audyssey funktioniert. Natürlich sind auch Dolby Atmos und DTS:X sowie deren Upmixer Dolby Surround und DTS Neural:X dabei. Beide erlauben das Cross-Format-Upmixing, allerdings nicht bei nativem 3D-Ton. Den Auro-Decoder gibt es bei Denon erst in größeren Modellen. Nicht zuletzt ist der Receiver fit für die Sprachsteuerung mit Amazon Alexa, für die allerdings ein„Alexa“-kompatibler Lautsprecher benötigt wird.

3D-Sound ganz ohne Höhenboxen? Und Surround-Sound ohne Rear-Boxen? – Der neue Raumklang-Decoder „Virtual:X“ von DTS soll es möglich machen.

Der Name gibt bereits Aufschluss darüber, wie das funktionieren soll, nämlich virtuell. Hierbei manipulieren sogenannte psycho-akustische Rechenalgorithmen Tonsignale, um den Ohren Schallquellen vorzugaukeln, die physisch gar nicht existieren. Neu ist das Konzept nicht, Soundbars nutzen die Technik seit Jahren, um Raumklang aus einer einzigen Box zu erzeugen – meist mit eher bescheidenem Ergebnis. Virtual:X geht aber noch weiter und möchte unabhängig von der Anzahl vorhandener Lautsprecher immersiven Surround-Sound ins Wohnzimmer holen. Musik und Filmton sollen mit Virtual:X auch aus Stereo-Boxen ähnlich tönen wie aus einem 7.1.4-Set – so zumindest das Werbeversprechen.

Der Denon AVR-X2500H hat DTS Virtual:X bereits ab Werk an Bord. Im Tonwahl-Menü taucht der Decoder jedoch nur auf, sofern keine Höhenboxen in der Lautsprecher-Konfiguration aktiviert wurden.

Dolby-Ton wird auf Geheiß von Dolby übrigens nicht vom DTS Virtual:X-Decoder unterstützt. Erkannt werden nur PCM- und DTS-Signale jeglicher Kanal-Konfiguration, auch DTS:X-Sound. Wandelt man jedoch Dolby-Ton im Zuspieler ins PCM-Format, lässt sich auch der Virtual:X-Decoder mit Dolby-Signalen nutzen.

Ausstattung und Technik

Bis auf den bereits erwähnten Phono-Eingang hat sich bei den Anschlüssen nichts getan: 8 HDMI-Eingänge und 2 HDMI-Ausgänge sind ordentlich, die üppige Präsenz analoger YUV- und FBAS-Videobuchsen ist untypisch, aber erfreulich für einen Einsteiger-Receiver. Suboptimal finden wir dagegen das Fehlen eines digitalen Koax-Eingangs, dafür gibt es zwei Toslink-Buchsen.

Rückseite: 7 HDMI-, 2 S/PDIF- und 4 analoge Eingänge sind für die meisten Heimkinos ausreichend, erfreulich ist die Phono-Platine, die den Anschluss eines Plattenspielers ohne Vorverstärker erlaubt. Höhenboxen für 3D-Sound müssen an die „Surround Back“-Terminals angeschlossen werden. Die Antennen für WLAN und Bluetooth sind schraubbar.

Wie schon der AVR-X2400H wartet der Nachfolger mit 7 diskreten Endstufen auf, die zum 5.2-Betrieb zwei zusätzliche Höhenkanäle oder zwei Surround-Back-Boxen erlauben. Alternativ darf man die Hauptlautsprecher bi-ampen oder zwei Lautsprecher in einem anderen Hörraum aktiv beschallen; Letzteres ist auch via Pre-outs möglich. Für Höhenboxen gibt es keine Pre-outs, weshalb bei 5.2.2-Layouts Schluss ist. Die beiden Höhenboxen können als vordere oder mittlere Deckenboxen sowie als vordere Height-Speaker oder als Aufsatzboxen (Dolby enabled) für die Front- oder Surround-Lautsprecher definiert werden; Top-Back- oder Height-Back-Positionen stehen dagegen nicht zur Auswahl. Die beiden anschließbaren Subwoofer lassen sich nicht getrennt regeln.

Boxen-Setup: Maximal 7.2- bzw. 5.2.2-Kanäle sind möglich. Deckenboxen können vorne oder mittig sitzen.

An der Lautsprecher-Konfiguration haben wir nichts zu kritisieren, die Pegel- und Distanzschritte fallen mit 0,5 Dezibel respektive 1 Zentimeter vorbildlich aus, die Crossover-Frequenzen kann man zwischen 40 und 250 Hertz für alle Speaker-Gruppen getrennt wählen. Die Pegel aller Boxen sowie Bass/Treble lassen sich zudem gesondert und für jede Eingangsquelle separat speichern; zu den entsprechenden Menüs gelangt man über die „Option“-Taste der Fernbedienung.

Änderungen und verbesserte Bauteile an Endstufe, DACs und DSPs sollen den Klang des X2500H optimieren.

Für die automatische Klangkorrektur ist Audysseys MultEQ XT zuständig, das bis zu 8 Messpunkte berücksichtigt, 3 Zielkurven bereitstellt sowie die Klangschaltungen Dynamic EQ (Loudness) und Dynamic Volume (Dynamikreduktion) mitbringt. Für die Aufstellung des Mess-Mikrofons packt Denon einen Pappständer bei. Als suboptimal empfinden wir den Equalizer, der erst ab recht hohen 63 Hertz regelt und den Woofer ausschließt; auch greift der EQ nicht bei aktivem Einmess-System. Diese Schwächen lassen sich aber mit der 20 Euro teuren „Audyssey MultEQ App“ umgehen, mit der man diverse Parameter der Audyssey-Einmessung manipulieren und Zielkurven selbst ziehen kann. 

Video und Multimedia

Das Videoboard akzeptiert 4K/60p-Bilder mit HDCP 2.2, HDR-10, HLG und Dolby Vision. Die 4K-Skalierung rechnet eingehende HDMI-Signale bis 4K um, funktioniert jedoch nicht bei analog zugespielten Bildern. Der Video-Equalizer regelt feinfühlig viele Bildparameter, zudem gibt  es sechs Bildmodi, zwei davon nach ISF-Norm.

Der Media-player versteht sich auf Hi-Res-Audio mit FLAC-, ALAC-, WAV- und DSD-Dateien. Die Vernetzung zu Musik gelingt über DLNA, AirPlay und Bluetooth, die Steuerung erfolgt am bequemsten über die HEOS-App. Als Webradio hat Denon Tune-In integriert, Streaming-Dienste wie Spotify, Juke!, SoundCloud, TIDAL, Deezer, Napster und Amazon Music wurden in die HEOS-App ausgelagert.

Tonqualität

Bei der Leistungsmessung erreichte der AVR-X2500H an allen 6-Ohm-Lasten (7.1, 5.1, 2.0) etwas mehr Watt als das Vorjahresmodell; 82 respek-tive 68 Watt im 5- bzw. 7-Kanal–Modus sind ordentlich. An 4 Ohm sanken dafür die Werte geringfügig, von 98 (5.1) bzw. 73 Watt (7.1) auf 91 bzw. 68 Watt. Löblich: Der Eco-Modus („On“) reduziert den durchschnittlichen Stromverbrauch von 283 auf sparsame 123 Watt.

Im Hörtest verzückte der Denon mit seiner seidigen, angenehmen und dennoch fein auflösenden Wiedergabe, die stressfreies Hören auch bei gehobenen Pegeln erlaubt. Mit Klassikaufnahmen wie den Kantaten von Johann Sebastian Bach in DSD 5.1 überraschte zudem der weit und sauber ausgeleuchtete Raum, der Instrumente und Stimmen fein durchhörbar machte. Allerdings musste unser Player den DSD-Stream via HDMI zuerst in PCM-Ton wandeln, sonst blieb der Denon stumm.

Die Audyssey-Einmessung funktionierte problemlos. Sämtliche Parameter wurden plausibel gesetzt, was zu mehr Kontrolle im Bass und einem größeren Klang führte. Die Loudness-Schaltung „Dynamic EQ“ sorgte für mehr Volumen und Glanz, aber auch vorlaute Surround-Boxen und überzogene Bässe. Zudem gingen Dialoge etwas unter. Audyssey Volume reduzierte sowohl bei DTS- als auch Dolby-Ton Dynamikspitzen hörbar.

Mit Dolby-Atmos-Material spannte der Denon weiträumige und lückenlose Schallfelder auf; Effekte waren sauber nachvollziehbar und auch auf den Höhenboxen ortbar – wenn auch nicht so präzise, wie das mit vier Top-Speakern der Fall ist. Die Effekt-orgie in „Battleship“ von der DTS:X-Demo-Disc donnerte ebenso druckvoll wie räumlich, allerdings fehlte dem sanften Gemüt des Denon etwas dynamisch zupackendes Temperament.

Ob Metal, Pop, Electro oder Klassik – Stereo- Musik klingt im Pure-Direct-Modus über den Denon stets kultiviert, fein aufgelöst und seidig, was stressfreies Langzeithören ermöglicht. Auch die Klangbühne konnte in Breite wie Tiefe überzeugen.

Der Testbericht Denon AVR-X2500H (Gesamtwertung: 77, Preis/UVP: 700 Euro) ist in audiovision Ausgabe 6-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

77 gut

Denons AVR-X2500H bringt Verbesserungen bei Hard- wie Software mit und auch das Design ist neu. Das Preis von 700 Euro blieb dabei gleich. Dank umfangreicher Multimedia-Ausstattung, voller 4K-Unterstützung und gutem Klang holt sich der kleine Japaner den Testsieg, wenn auch denkbar knapp.
Andreas Oswald

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